Patrick Steinmann

Gewässerbiologe, Stein am Rhein

Meeresbiologie

Seesternprojekt

Einige Eindrücke vom Sardinienaufenthalt im September 2003:

Untersuchungen an juvenilen Kammseesternen


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Erkennungsdienstliche Bearbeitung der Sternli. Die Artunterscheidung bei ganz kleinen Seesternen ist ziemlich knifflig. In solchen Fällen werden die Sternli im Aquarium aufgezogen, bis ihre Artzugehörigkeit offensichtlich wird.

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Junger Seestern mit ausgeworfenen 2mm grossen Schneckenhäusern der Gattung Caecum. Dieser knapp 14mm grosse Stern hatte 67 solche Schnecken gefressen! Weitere häufige Nahrungsreste waren winzige Muschelschalen und Fadenwürmer.

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Nach der Analyse der Nahrungsreste werden die Sternli in Aquarien eingesetzt, in denen sie zwischen verschiedenen Bodensubstraten wählen können. Mit einer Videokamera werden im Zeitraffermodus die Aufenthaltsorte und Bewegungen der Sternli aufgezeichnet. So bekommen wir Auskunft über die Aktivitätszeiten und die bevorzugten Bodentypen der jungen Kammseesterne.

Nach einem bestimmten Raster wird der Sandboden im Meer 3 bis 5cm tief ausgeschaufelt und gesiebt. An Land werden die jungen Sternli aus dem gesiebten Material ausgelesen, fotografiert und bestimmt. Wir erhalten dadurch Informationen über die Häufigkeit und die räumliche Verteilung der Sternli.

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In kleinen Schalen werden die Sternli einige Tage in Einzelhaft gehalten. Während dieser Zeit werfen sie Überreste ihrer Beute aus, anhand derer wir die Nahrungsvorlieben der jungen Sternli feststellen können.

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Juvenile Kammseesterne:
Astropecten jonstoni (links oben)
A. bispinosus (rechts oben)
und A. aranciacus. Grösse der Sternli: 3-9mm

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Untersuchungen an adulten Seesternen


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Alle Seesterne, die wir im im Abstand von 2m zur Spur finden werden gezählt und vermessen. Durch regelmässige Wiederholung dieser Transekttauchgänge können wir die Bestandesentwicklung der Sterne über mehrere Jahre verfolgen. Bisher gibt es keine Anzeichen für eine Erholung der A.aranciacus Population.

Die Häufigkeit und die Grössenverteilung von adulten Kammseesternen wird beim Abschwimmen von genau definierten Transekten ermittelt. Mit dem Boot ziehen wir eine Kette über den Sandboden, deren Spur uns nachher beim Tauchen als Orientierung dient.

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Ab und zu finden wir dennoch Stellen, an denen wir eine recht hohe Dichte von A. aranciacus beobachten. Meistens liegen diese Stellen in 18-24m Tiefe und sind locker mit Zostera- Pflanzen bewachsen.

An solchen Stellen scheinen die Bedingungen für die Sterne geeignet zu sein. Wir wissen noch nicht, welche Faktoren wichtig für das Wohlbefinden und das Fortbestehen solcher lokaler Kleinstpopulationen sind.

In weiteren Projekten werden wir das Nahrungsangebot und das Auftreten von möglicherweise giftigen Algen und Bakterien an verschiedenen Stellen näher untersuchen und schauen, ob hier ein Zusammenhang mit der Seesterndichte besteht.


Vorsicht, giftig!

Nervosität kommt beim Tauchen über Sandböden auf, wenn solche keilförmigen Schlitze im Sand entdeckt werden. Sie stammen vom grossen Petermännchen (Trachinus aranaeus). Meistens ruht Trachinus aranaeus eingegraben im Sand. Nur die Augen und selten auch ein Teil des Körpers schauen aus dem Sand heraus.



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Wehe dem Taucher, der unaufmerksam über einen eingegrabenen T. aranaeus hinwegschwimmt! Einmal gestört, kann er einen fliehenden Taucher über lange Strecken verfolgen und attackieren. Mit seinen sehr giftigen Flossenstacheln kann er böse Verletzungen mit darauffolgenden jahrelangen Beschwerden verursachen.

Rache ist Blutwurst! Von diesen drei grossen Petermännern haben wir nichts mehr zu befürchten und sie schmecken ausgezeichnet.
;-) 
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Algenflecken auf den Sandböden


Im Herbst 03 fanden wir auf dem Sand sehr viele Blaualgenteppiche. Sie scheinen jedes Jahr dichter zu werden. Ausser Blaualgen leben hier noch viele andere Mikroben, von denen einige vielleicht für den Rückgang der Kammseesterne mit verantwortlich sein könnten. Wasserverschmutzung und hohe Temperaturen könnten das Aufkommen von giftigen Mikroben begünstigen und die Seesterne schädigen.

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Ein Blick durchs Mikroskop enthüllt, dass es sich bei den roten Teppichen vorwiegend um Blaualgen (Cyanobakterien) der Gattung Spirulina handelt (100 fache Vergrösserung)


Weltraumforschung im Meer?


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Unsere Seesternkamera im Meer

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Fehlfunktionen irgendwo in der Elektronik machen unserem Techniker Heinz Maag sehr zu schaffen. So bleibt die Kamera leider oft auf dem Trockenen

Nein, dies ist kein Mars-Landevehikel, sondern eine Spezialkamera, die einen Ausschnitt des Sandbodens im Meer während 24h autonom beobachten und alle vorbeiwandernden Tiere, vor allem natürlich die Kammseesterne, in ihrem natürlichen Lebensraum aufzeichnen soll. Vorerst haben wir die Kamera nur in taucherisch erreichbaren Tiefen eingesetzt, um ihre Funktion genau überprüfen zu können. Die Kamera ist aber eigentlich für grössere Tiefen gedacht, die nicht mehr betaucht werden können.

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Die Kamera wird auf dem Zodiac zusammengesetzt und im Meer versenkt.

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Vielleicht wäre es doch einfacher gewesen, eine Mars-Landefähre zu konstruieren...


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