Patrick Steinmann

Gewässerbiologe, Stein am Rhein

Meeresbiologie

Seesternprojekt


Feraxi, Sardinien, September 04


plattfuss.jpg

Bald darauf tauchten wir auch schon wieder an der Costa Colostrai ab und waren gespannt, was wir dieses Jahr finden würden.

abtauchen2.jpg

schaufeln3.jpg

Nach dem Tauchgang werden die wertvollen Daten getrocknet und dann in den Computer eingegeben.

value

Wir fanden dieses Jahr sehr viele und vor allem sehr kleine Sternli. Dies deutet darauf hin, dass die Besiedlung der Bucht mit Seesternlarven in diesem Jahr etwa einen Monat später als sonst erfolgte. Ob das für das weitere Überleben der Sternli vorteilhaft ist, wird sich nächstes Jahr zeigen, falls wir mehr halbwüchsige Sterne finden als bisher. Ein paar Freilandexperimente haben ausserdem gezeigt, dass die kleinen Sternli grosse Strecken im Meer zurücklegen können und nicht an einem eng beschränkten Platz bleiben. Dies verbessert die Chance für die Sternli, geeignete Plätze zu finden und dort zu überleben.

Auch eine verbesserte Version der UW- Überwachungskamera war wieder dabei...

value

Zum Auftakt der Feldarbeiten in Sardinien produzierten wir gleich mal ein Plattfuss und zwar knapp 2 km vor der Ankunft in Feraxi. Das Reserverad war unter ca. 2 Tonnen Material zuunterst und zuhinterst sehr gut verstaut. Aber man hat ja Pressluftflaschen und Flickzeug dabei und so schafften wir die letzten Meter mit etwa 5 Zwischenstopps zum Pumpen auch noch.

value

Unser Sändeligeschirr wird jedes Jahr umfangreicher und ausgeklügelter...

value

Mittlerweile sind wir auch schon erfahrene Seesternlischaufler und können in kurzer Zeit recht grosse Probeflächen bearbeiten und die jungen Seesterne darin finden.

value

Zusätzlich wurden dieses Jahr noch Proben genommen, um die Mikro-Infauna und den organischen Gehalt des Sandbodens zu bestimmen. Um die beprobten Stellen für die anschliessende Schaufelaktion wieder zu finden verwendeten wir kleine Steckmarken.

value

Ausserdem fanden wir in Fütterungsversuchen heraus, dass kleine Seesterne lieber Muscheln als Schnecken fressen, und dass sie Schnecken links liegen lassen, solange sie genug Muscheln finden. Da die Sternli, die wir im Meer finden aber oft viele Schnecken im Magen haben, nehmen wir an dass sie im Meer von Muscheln allein nicht satt werden und daher gezwungenermassen auch Schnecken fressen müssen.

value

... und auch dieses Jahr gab dieses Ding Anlass zu vielen Basteleien, Fluchereien und einem grossen Materiallpuff. Irgendwann wird dieses vertrackte Teil schon noch richtig funktionieren... grrmbl!

value

Nach getaner Arbeit sassen wir abends jeweils unter einem tollen Sternenhimmel in der lauen Abendluft, hörten den Grillen zu und konnten uns kaum vorstellen, dass es zu hause gerade mal 14 Grad kalt war und seit Tagen regnete.


Der Berg der tausend Gesichter


value

Die verwitterten Steinblöcke inmitten der dornigen und schwer zu durchdringenden Macchia sind voll von Löchern und Spalten.

value

Auf Schritt und Tritt blickt man in Gesichter von Kobolden, Zwergen und sonstigen Fabelwesen.

value

Ein monströser Totenkopf...

value

Ein Zwerglein bewacht den Eingang zu einem kleinen Tal.

An einem tauchfreien Tag machen wir einen Ausflug auf den Monte Ferru, einen knapp 400m hohen "Berg" an der Küste. Der Monte Ferru besteht aus uraltem und verwittertem Granitgestein und enthält viel Eisen, was ihm eine rote Farbe und den Namen
"Ferru" (= Eisen) eingebracht hat.

value

Vom Gipfel des Berges geniessen wir eine tolle Aussicht über die Costa Colostrai und das Capo Ferrato unter uns.

value


Ein alter Mann mit Schlitzaugen, Schnurrbart und Hut...

value


Wie lange der wohl schon hier steht und vor sich hin träumt?


Fundive!


value

value

Flabellina- Nacktschnecken in verschiedenen
Farben und scheue Kalkröhrenwürmer.

value

value

value

Sandböden sind ja schön und gut, aber zwischendurch muss einfach mal wieder ein Tauchgang zum Entspannen an schön bewachsenen Felsen her! Wir fahren dann jeweils zum "Quadratfelsen" am Capo Ferrato, um mal was anderes zu sehen. Zum Beispiel:

value

Hundskorallen, eine Moostierchenart, die gern unter Überhängen wächst.

value

Jede Menge gelbe Krustenanemonen.

value

Ein Zitterrochen (ja, ich weiss, der lebt nicht an den Felsen, sondern auf Sandböden).

value

Knapp unter der Oberfläche schaukeln zwei Spiegeleiquallen, begleitet von einem Schwarm kleiner Fische.

Nach einem solchen Tauchgang erträgt man dann auch wieder eine weitere Woche Sandschaufeln und Sternlisieben!


Brai Loi


Mehr Infos über unseren Arbeitsort in Sardinien, der auch als Ferienort genutzt werden kann, gibts unter www.brailoi.ch. Dort werden auch Meeresbiologische Kurse für interessierte Sporttaucher unter der Leitung von Dr. Rolf Schärer durchgeführt. Rolf Schärer ist ausserdem Initant des Prokjekts "OsserMare", einem marinen Bio-Monitoring im Mittelmeer. Dioese Projekt soll vor allem auch Studierenden in Biologie und Umweltwissenschaften, interessierten Maturanden und Maturandinnen sowie andern motivierten Tauchenden ermöglichen an wissenschaftlichen marinen Projekten mitzuwirken.

value Rolf Schärer, Dr. phil II, Mittelschullehrer in St. Gallen und freier Mitarbeiter der Tauch- und Forschungsgruppe des Zoologischen Museum der Universität Zürich: "Schon lange ist es meine Idee Tauchtourismus für interessierte und engagierte Taucher mit meeresbiologischer Forschung sinnvoll zu verbinden. Auf den Nenner gebracht: Ich bringe Sie der faszinierenden Biologie des Mittelmeers etwas näher und Sie unterstützen mit Ihrem Kursbeitrag einen Teil der Forschung. Ich bin der Meinung, dass damit ein gutes Modell vorliegt, wie sich meeresbiologische Forschung eigenständig, wenn auch nur teilweise, finanzieren lässt."


value


Dark clouds gathering, breaking the day,
thunder and lightning heading your way...