Patrick Steinmann

Gewässerbiologe, Stein am Rhein

Meeresbiologie

Seesternprojekt


Banyuls, Frankreich, Januar 05


Nachdem wir von Sardinien und auch von anderen Orten mittlerweile deutliche Hinweise hatten, dass der grosse Kammseestern Astropecten aranciacus recht selten geworden ist, wollten wir mal einen Ort aufsuchen, an dem noch eine starke Population dieser grössten Mittelmeer-Seesternart existiert, um zu sehen, was dort anders ist, als an den bisher untersuchten Orten. Ausserdem wollten wir untersuchen, wieviele Eier ein Aranciacusweibchen eigentlich produzieren kann und wie das Geschlechterverhältnis in der Population ist. Weil das Geschlecht der Seesterne äusserlich nicht erkennbar ist, wollten wir eine einfache invasive Methode entwickeln, um schnell das Geschlecht und den Reifezustand der Gameten bei Seesternen festzustellen.


Wir fuhren also nach Banyuls in Südfrankreich zum Laboratoire Arago, einem alten und gut ausgerüsteten Meereslabor der Université Pierre & Marie Curie. Hier wurde uns für ein paar Tage ein kleines Labor zur Verfügung gestellt, wo wir unsere Untersuchungen durchführen konnten.


Am Grund in 28m fanden wir sofort viele riesige Abdrücke von Kammseesternen. Bald darauf fanden wir auch die Seesterne, alle zwischen 30 und 50 cm gross.


Ein gut getarnter junger Seeteufel auf dem Sandboden. Grosse Seezungen fanden wir auch einige. Ich erzähle nun hier aber nicht, was Eric, der Taucher vom Lab Arago, mit diesen armen Fischen gemacht hat...


Mit einer Sonde können wir durch den Schnitt ein Stück der Gonaden entnehmen. Bei diesem Tier sind sie prall gefüllt mit zehntausenden reifer Eier von knapp 0.2mm Durchmesser.


Ein künstlich befruchtetes Seesternei vor der ersten Zellteilung. Gut sichtbar ist transparente Hülle, die sich unmittelbar nach der Befruchtung bildet.


Zuerst mussten aber die Seesterne her! Also ab aufs Boot, Maske auf, Funk an und rein ins Wasser. Eric und Jean-Claude, die beiden Taucher vom Institut begleiteten uns.


Ein Oktopus-Zuhause in einem Autopneu mit Gartenmauer aus Muschelschalen und einer Seefeder-Fahnenstange... Fehlt nur noch ein kitschiger Gartenzwerg!


Im Labor eine erste Bestandesaufnahme unserer Beute: Grösse, Anzahl Marginalplatten, Verletzungen und regenerierte Arme: Alles wird protokolliert.



Danach gibts einen kleinen Schnitt in eine Armoberseite um an die Gonaden heranzukommen.


Ein mikroskopisches Präparat von Eiern (links) und Spermien (rechts). Die Tiere standen offenbar kurz vor der Fortpflanzung, wir fanden in allen untersuchten Individuen reife Gameten.


Gelbe Seefedern in der Bucht von Banyuls