Patrick Steinmann

Gewässerbiologe, Stein am Rhein

Forschungsarbeiten über

Flussbarsche


Bestandesmonitoring mittels Gelegezählungen


Im Rahmen einer Langzeituntersuchung werden Informationen über Populationsschwankungen, Altersverteilung der Laichtiere und den zeitlichen Ablauf der Laichablage gewonnen. Dabei arbeiten wir vor allem mit den strumpfartigen Laichbändern, die im April / Mai bei regelmässigen Tauchgängen leicht zu finden sind. Die Laichbänder können gezählt und wahlweise für weitere Untersuchungen eingesammelt werden.

Laichbänder und neugierige Egli an einem untergetauchten Tannenast.

Da jedes geschlechtsreife Weibchen pro Jahr nur ein Laichband produziert, dessen Grösse vom Alter des Weibchens abhängt, können wir mit Hilfe der Gelegedaten auf die Grösse und die Altersverteilung des aktuellen Bestandes schliessen. Der Vorteil dieser Methode ist, das wir so den tatsächlich laichenden Bestand erfassen und nicht mit Fangstatistiken arbeiten müssen. Zudem kennen wir die Bestandeszusammensetzung bereits bevor die Tiere gefangen werden und nicht erst hinterher aufgrund der Fangstatistik.

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Egligelege können beim Tauchen gezählt, eingesammelt und ins Labor gebracht werden.
Untersuchung eines Laichbandes im Labor. Nach den Messungen werden alle Laichbänder wieder in den See gebracht.

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In den jährlichen Gelegemengen widerspiegeln sich die extremen Bestandesschwankungen in der Eglipopulation: Dramatische Bestandeseinbrüche und rekordverdächtige Jahrgänge folgen in kurzen Abständen aufeinander. In unserem Projekt möchten wir die Ursachen und Mechanismen dieser Schwankungen besser verstehen lernen.

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Gewusst wo! Auch in Jahren mit kleinem
Bestand gibt es kapitale Egli!

In Jahren mit vielen erwachsenen Tieren in der Population finden wir entsprechend viele Gelege. Wenn in einem Jahr viele Gelege abgelaicht werden, heisst das aber noch lange nicht, dass daraus auch ein grosser Jahrgang entsteht. Andere Faktoren bestimmen, wie viele von den Jungtieren überleben werden:

Entwicklung und Überlebensraten von Flussbarsch - Larven


Der Barsch ist eine der wenigen ökonomisch wichtigen Fischarten in der Schweiz, deren Bestand nicht durch künstlichen Besatz gestützt wird. In vielen Seen ist der Egli sogar die bei weitem wichtigste genutzte Fischart. Die Egli sind aber berüchtigt für ihre enormen Bestandesschwankungen, die sich in den Erträgen der Berufs- und Sportfischer niederschlagen. Diese Schwankungen sind noch nicht ausreichend verstanden und sie werfen auch grundsätzliche biologische Fragen auf.

An der Aussenstation des Zoologischen Museum der Uni Zürich versuchen wir herauszufinden, unter welchen Bedingungen junge Egli im Zürichsee gedeihen, und warum sie oft massenhaft zu Grunde gehen. Wir möchten damit Faktoren ergründen, die dazu führen, dass ein starker oder ein schwacher Egli-Jahrgang aufkommt. Die Vorgänge in freier Natur stehen im Zentrum unseres Interesses. Mit verschiedenen Methoden und zu verschiedenen Jahreszeiten versuchen wir, Daten über die Entwicklung und Lebensweise von jungen Barschen zu erhalten.

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Nahaufnahme eines Eglieis während der ersten
Zellteilung, etwa 5h nach der Befruchtung.
(Originalgrösse ca 2mm)
Ein 6 Tage alter Egli - Embryo. Der weisse "Krater" an der Eioberfläche liegt an der Stelle, wo das Spermium bei der Besamung in das Ei eingedrungen ist.

Frisch geschlüpfte Eglilarve. Der Mund ist noch verschlossen, die Larve lebt von ihrem Dottervorrat.
Die kleine Ölkugel im Dottersack gibt ihr Auftrieb, bis die Larve die Schwimmblase gefüllt hat.

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Zwei gleichalte Flussbarschlarven mit gefüllter Schwimmblase (oben) und leerer  Schwimmblase (unten). Barsche die nicht innerhalb von 3 Wochen ihre Schwimmblase füllen können, haben kaum Überlebenschancen im See.
Versuchsanlage zur Aufzucht von Barschlarven zur Erforschung ihrer Schwimmblasenfüllung. Die Wassertemperatur, die Beschaffenheit der Wasseroberfläche und das Futter haben grossen Einfluss auf das Gedeihen der Fischbrut. Im Aquarium können aber nicht alle Faktoren untersucht werden, die Einfluss auf das Überleben der Larven haben.
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Unterschiedliche Wachstumsraten bei Barschlarven führen zu starken individuellen Grössen-unterschieden. Dieser grössere Barsch wollte sein gleichaltriges, kleines Geschwisterchen verschlingen und ist daran erstickt.
Kannibalismus ist vor allem bei grösseren Flussbarschen sehr häufig und kann mitbestimmend für die Grösse eines Jahrgangs sein. Auch grosse Brocken übernehmen sich bisweilen und ersticken an ihrer Beute.
Unser Stossnetz zum Fang von Barschlarven. Mit diesem Ungetüm fahren wir jeweils ab Ende Mai bis Mitte Juli auf dem Zürichsee herum. Das Netz kann stufenlos in Fangtiefen von 0 bis 3m eingestellt werden. Damit wird der Aufenthaltsort, das Wachstum und die Überlebensrate der frisch geschlüpften Egli im See untersucht. Ab ca 4 cm Körperlänge werden die Fischchen zu schnell und können dem Netz entfliehen. Dann müssen andere Fangmethoden angewendet werden.
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