Patrick Steinmann

Gewässerbiologe, Stein am Rhein

Forschungsarbeiten über

Flussbarsche


Altersbestimmung von Barschlarven mittels Otolithenstrukturen

Im Rahmen der Erforschung der life history von Flussbarschlarven müssen Schätzungen der Mortalität in den ersten Lebenswochen gemacht werden. Dazu ist es unerlässlich, das Alter der Tiere aus den Versuchsfängen mit dem Stossnetz (s. oben) zu kennen. Bei Fischlarven ist eine Altersbestimmung nur anhand der Otolithen (winzige Kalksteinchen im Gleichgewichtsorgan) möglich. Otolithen von Fischlarven weisen oft ein ringförmiges Muster auf, das angeblich durch tägliche Zuwachsschübe entsteht. Die Anzahl Ringe in einem Otolithen könnte daher Auskunft über das Alter der betreffenden Fischlarve geben.

Rotaugenlarve (Rutilus rutilus L) mit  deutlich sichtbaren Otolithen (Pfeil)
Flussbarsch-Otolith in Falschfarbendarstellung
Ein deutliches Ringmuster ist erkennbar.
(200 fache Vergrösserung)
Die Zuverlässigkeit dieser Methode ist nicht unumstritten und kann zwischen einzelnen Fischarten und Gewässern stark variieren. Bei Barschlarven wurde diese Methode bisher selten angewandt. Zur Kontrolle haben wir einen Versuch im Aquarium durchgeführt, bei dem wir am Tag, als die Fische schlüpften, einen Farbstoff (Alizarin) zugegeben haben, der sich in den Otolithen ablagert. Nach 10 Tagen wurde nochmals Farbstoff zugegeben. Mit den beiden Farbmarkierungen war es möglich, die Zuwachsraten innerhalb der 10 Tage zwischen den beiden Markierungen zu bestimmen und zu überprüfen, ob die Anzahl Ringe mit dem Alter des Tiers übereinstimmt.
Otolith einer 16 Tage alten Eglilarve. Unter UV Licht bei 200-facher Vergrösserung werden die Alizarin-Markierungen am Schlupftag und am 10. Tag als leuchtender Kern und Kreis sichtbar.
Obwohl die Vorversuche im Aquarium erfolgversprechend verliefen, waren die Resultate der anschliessenden Untersuchung von Larven aus dem See kontrovers: Bei vielen Otolithen waren deutliche und regelmässige Ringe zu erkennen. Andere dagegen zeigten grosse Lücken oder überhaupt kein Ringmuster. Bei witterungsbedingten Temperaturstürzen gab es oft einen mehrtägigen Wachstumsstop, bei dem die Otolithen keine Zuwachsringe bildeten. Solche Ungenauigkeiten in der Altersbestimmung lassen keine oder nur sehr ungenaue Altersschätzungen bei Eglilarven zu.
Altersbestimmung bei mehrjährigen Barschen und bei anderen Organismen:

Bei älteren Egli lässt sich das Alter besser bestimmen. Aber auch dazu müssen die Tiere getötet werden. Anschliessend kann der Kiemendeckel, eine Knochenplatte, welche die Kiemen schützt, herauspräpariert werden. Darauf sind Jahrringe zu erkennen, ähnlich wie bei einem Baum. Im Winter lagern sich dünne, dunkle Ringe an, im Sommer breite, weisse.

Wie alt war also der Barsch, von dem
dieser Kiemendeckel stammt?
Dasselbe Prinzip lässt sich auch bei anderen Tieren anwenden, zum Beispiel bei Teichmuscheln:
Petri Heil!


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