|
|
||||
![]() |
Wissenschaftliche Taucharbeiten Patrick Steinmann, 8260 Stein am Rhein |
GewässerbiologieAquatische Neozoen |
||
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Verbreitungskarteneiniger Neozoen in der Schweiz gibts hier. |
Wichtige aquatische
|
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
|
|
|
Ein Nebeneffekt der menschlichen Mobilität ist die oftmals unbeabsichtigte Verschleppung von Tier- und Pflanzenarten aus ihrer Heimat in ferne Regionen, in denen sie natürlicherweise nicht vorkommen. Die meisten dieser "blinden Passagiere" können an ihrem neuen Standort nicht gedeihen und verschwinden nach kurzer Zeit wieder. Es gibt aber weltweit eine rasch zunehmende Zahl von Tier- und Pflanzenarten, die sich in neuen Gebieten erfolgreich ansiedeln und vermehren. Einige dieser Neuankömmlinge verhalten sich im neuen Lebensraum völlig anders als in ihrer Heimat und können in einigen Fällen zu Problemen führen. Es ist oft kaum möglich, das Verhalten und die Bestandesentwicklung einer neuen Art in einem fremden Lebensraum vorherzusagen.
Neubesiedlungen von Landlebewesen werden in der Regel ziemlich rasch entdeckt und die weitere Ausbreitung kann dann aufmerksam verfolgt werden. Bei aquatischen Neozoen bestehen diesbezüglich jedoch grosse Wissenslücken. Gerade in den Gewässern Mitteleuropas ist momentan eine ganze Reihe von Krebsen, Muscheln und Fischen auf dem Vormarsch, von denen wir kaum wissen wo sie schon überall hingelangt sind und wie sie sich in ihrer neuen Heimat künftig zurechtfinden und aufführen werden. Was vor allem fehlt ist die frühzeitige Erkennung von Neubesiedlungen und eine darauf folgende Beobachtung der weiteren Entwicklung.
Im Einzelfall kann meistens nicht eruiert werden wie eine aquatische Neozoe in ein neues Gebiet gelangt ist. Allgemein kommen folgende Möglichkeiten in Frage:
Grossräumig:Kleinräumig:
Viele Neozoen fügen sich in die heimischen Ökosysteme ein ohne nachweisbare Folgen für die hiesigen Lebensräume und die darin ansässigen Organismen (integrative Neozoen). Beispiele von integrativen aquatischen Neozoen sind die Tigerplanarie (Dugesia tigrina), die Neuseeland-Zwergdeckelschnecke (Potamopyrgus antipodarum) oder die Süsswasserqualle (Craspedacusta sowerbyi).
Einige Arten jedoch können durch ihre hohe Bestandesdichte oder durch Interaktionen mit heimischen Organismen zu auffälligen Veränderungen in aquatischen Lebensräumen führen (invasive Neozoen):
Umgestaltung der Habitatstruktur
(z.B.Dreissena, Corbicula, Chelicorophium)
Veränderungen im Nahrungsgefüge
(z.B. Limnomysis, Dikerogammarus, Dreissena)
Abnahme der Artenvielfalt durch Konkurrenz & Prädation
(z.B. Dikerogammarus)
Übertragung von Parasiten und Krankheitserregern
(z.B. Krebspest (Aphanomyces astaci), PKD (Proliferative kidney disease), Anguillicola crassus)
Das Bild unten zeigt die Zusammensetzung einer Benthosprobe aus dem steinigen Uferbereich eines Schweizer Mittellandsees: Weit über 90% der Biomasse besteht aus Wandermuscheln und Höckerflohkrebsen. Selbst der winzige Rest besteht noch zu einem ansehlichen Teil aus nicht heimischen Organismen (z.B. Potamopyrgus antipodarum, Physella acuta).

