Patrick Steinmann

Gewässerbiologe, Stein am Rhein

Gewässerbiologie

Aquatische Neozoen

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Verbreitungskarten

einiger Neozoen in der Schweiz gibts hier.








Wichtige aquatische
Neozoen in der Schweiz:

Höckerflohkrebs
Dikerogammarus villosus

Schwebegarnelen
Limnomysis benedeni und
Hemimysis anomala

Körbchenmuschel
Corbicula fluminea

Signalkrebs
Pacifastacus leniusculus

Kamberkrebs
Orconectes limosus

Süsswasserqualle
Craspedacusta sowerbyii

Schwammartiges Moostierchen Pectinatella magnifica

Sonnenbarsch
Lepomis gibbosus

Neue Neozoenvorkommen entdeckt?

Ich möchte alle Sporttaucher ermuntern unter Wasser vermehrt auf Neozoen zu achten und Beobachtungen zu melden. Eure Meldungen helfen, ein etwas genaueres Bild über die Vorgänge unter Wasser zu bekommen!

Beobachtungsmeldungen (auch "Verdachtsfälle") sind willkommen und können via Meldeformular hier abgeschickt werden.

Informationen über aquatische Neozoen gibts auch bei ANEBO

Dikerogammarus Craspedacusta Dreissena limnomysis lepomis
Wandermuschel
Sonnenbarsch

Ein Nebeneffekt der menschlichen Mobilität ist die oftmals unbeabsichtigte Verschleppung von Tier- und Pflanzenarten aus ihrer Heimat in ferne Regionen, in denen sie natürlicherweise nicht vorkommen. Die meisten dieser "blinden Passagiere" können an ihrem neuen Standort nicht gedeihen und verschwinden nach kurzer Zeit wieder. Es gibt aber weltweit eine rasch zunehmende Zahl von Tier- und Pflanzenarten, die sich in neuen Gebieten erfolgreich ansiedeln und vermehren. Einige dieser Neuankömmlinge verhalten sich im neuen Lebensraum völlig anders als in ihrer Heimat und können in einigen Fällen zu Problemen führen. Es ist oft kaum möglich, das Verhalten und die Bestandesentwicklung einer neuen Art in einem fremden Lebensraum vorherzusagen.

Neubesiedlungen von Landlebewesen werden in der Regel ziemlich rasch entdeckt und die weitere Ausbreitung kann dann aufmerksam verfolgt werden. Bei aquatischen Neozoen bestehen diesbezüglich jedoch grosse Wissenslücken. Gerade in den Gewässern Mitteleuropas ist momentan eine ganze Reihe von Krebsen, Muscheln und Fischen auf dem Vormarsch, von denen wir kaum wissen wo sie schon überall hingelangt sind und wie sie sich in ihrer neuen Heimat künftig zurechtfinden und aufführen werden. Was vor allem fehlt ist die frühzeitige Erkennung von Neubesiedlungen und eine darauf folgende Beobachtung der weiteren Entwicklung.


Besiedlungsvektoren


Im Einzelfall kann meistens nicht eruiert werden wie eine aquatische Neozoe in ein neues Gebiet gelangt ist. Allgemein kommen folgende Möglichkeiten in Frage:

Grossräumig:
  • Einwanderung von pontokaspischen Arten durch den Rhein-Main-Donau Kanal (seit 1992)
  • Verschleppung durch Frachtschiffe (v.a. Larvenstadien im Ballastwasser)
  • Freisetzungen aus Aquarien, Comestible-Hälterungen
Es kommt immer wieder vor dass fremdländische Tierarten im Handel fälschlicherweise als einheimische Arten verkauft werden, z.B. Signalkrebse (Pacifastacus leniusculus) als Edelkrebse (Astacus astacus) oder Chinesische Teichmuscheln (Sinanodonta woodiana) als Europäische Teichmuscheln (Anodonta sp.). Es muss angenommen werden dass manche Freilandvorkommen auf Freisetzungen solcher irrtümlich als einheimisch angesehener Tiere entstanden sind. Mit etwas mehr Gewissenhaftigkeit beim Import und beim Einkauf könnte das vermieden werden!

Kleinräumig:

  • Ausbreitung durch Drift oder Wanderungen
  • Verschleppung durch Bootsversatz
  • Verschleppung durch Wassersportgeräte
Die Verschleppung durch Wassersportgeräte (z.B. auch Tauchausrüstungen) ist nicht zu unterschätzen! Wenn nasse Geräte direkt aus einem See in den nächsten gebracht werden, können sehr leicht einige "blinde Passagiere" verschleppt werden. Eine kurze Kontrolle von Tarierjackets, Taschen etc. nach einem Vormittagstauchgang kann schon mal ein paar Höckerflohkrebse zu Tage bringen! Diese sollten nicht beim Nachmittagstauchgang in einem anderen Gewässer eine neue Heimat finden! Am besten wäre es, die Tauchausrüstung zwischen zwei Tauchgängen in verschiedenen Gewässern trocknen zu lassen. Dasselbe gilt für auch für andere Wassersportgeräte und Boote.


Folgen von Neozoen-Besiedlungen


Viele Neozoen fügen sich in die heimischen Ökosysteme ein ohne nachweisbare Folgen für die hiesigen Lebensräume und die darin ansässigen Organismen (integrative Neozoen). Beispiele von integrativen aquatischen Neozoen sind die Tigerplanarie (Dugesia tigrina), die Neuseeland-Zwergdeckelschnecke (Potamopyrgus antipodarum) oder die Süsswasserqualle (Craspedacusta sowerbyi).

Einige Arten jedoch können durch ihre hohe Bestandesdichte oder durch Interaktionen mit heimischen Organismen zu auffälligen Veränderungen in aquatischen Lebensräumen führen (invasive Neozoen):

  • Umgestaltung der Habitatstruktur
    (z.B.Dreissena, Corbicula, Chelicorophium)

  • Veränderungen im Nahrungsgefüge
    (z.B. Limnomysis, Dikerogammarus, Dreissena)

  • Abnahme der Artenvielfalt durch Konkurrenz & Prädation
    (z.B. Dikerogammarus)

  • Übertragung von Parasiten und Krankheitserregern
    (z.B. Krebspest (Aphanomyces astaci), PKD (Proliferative kidney disease), Anguillicola crassus)


Gefahr für die einheimische Artenvielfalt?


Das Bild unten zeigt die Zusammensetzung einer Benthosprobe aus dem steinigen Uferbereich eines Schweizer Mittellandsees: Weit über 90% der Biomasse besteht aus Wandermuscheln und Höckerflohkrebsen. Selbst der winzige Rest besteht noch zu einem ansehlichen Teil aus nicht heimischen Organismen (z.B. Potamopyrgus antipodarum, Physella acuta).


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