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Wissenschaftliche Taucharbeiten Patrick Steinmann, 8260 Stein am Rhein |
MeeresbiologieCoral Bleaching |
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Sie haben starke Giftharpunen:Die Tentakel der Korallenpolypen enthalten Batterien mit Tausenden von Nesselzellen. Diese gehören zu den komplexesten Zelltypen im Tierreich und es ist erstaunlich, dass wir so hoch entwickelte Zellen gerade bei so ursprünglichen Tieren finden. Die Nesselzellen wirken wie winzige Giftharpunen, die bei der kleinsten Berührung innerhalb von Millisekunden explodieren und einen Giftfaden ausschleudern. Im geladenen Zustand kann der hydrostatische Druck in einer Nesselzelle bis zu 150 bar betragen. Das entspricht dem Druck in einer fast vollen Tauchflasche! Jede Zelle kann nur einmal abgefeuert werden, danach wird sie durch eine neue Zelle ersetzt. Nesselzellen finden wir ausser in Korallen auch in Seeanemonen, Quallen und Hydroiden.
(Zeichnung: Prof P. Tardent, Universität Zürich)
Schematische Darstellung einer Batterie mit Nesselzellen im geladenen und Sie leben in Symbiose mit einzelligen Algen:Steinkorallenpolypen beherbergen in ihrer Haut grosse Mengen einzelliger Algen (Zooxanthellen) aus der Familie der Panzergeisselalgen (Dinoflagellaten). Diese Algen profitieren von den Stoffwechselprodukten der Koralle. Wie alle Pflanzen bauen die Algen aus Kohlendioxid und Wasser und mit Hilfe des Sonnenlichts Kohlehydrate auf (Photosynthese). Kohlendioxid ist im Meerwasser vorhanden und entsteht auch bei der Atmung im Gewebe der Korallenpolypen. Die eingelagerten Zooxanthellen werden daher fortwährend mit diesem Rohstoff versorgt. Die Koralle garantiert den Zooxanthellen ausserdem einen Platz im sonnendurchfluteten Wasser und Schutz vor dem Abdriften in dunkle Tiefen, wo die Photosynthese erlahmen würde. Die Farbstoffe (Pigmente) in den Zooxanthellen sind verantwortlich für die grüne, braune oder rötliche Farbe der Korallenkolonien. Die Korallenpolypen selber sind blass gelb bis farblos.
Für die Koralle stellen die Photosyntheseprodukte der Zooxanthellen eine wichtige Nahrungsquelle dar. Nur mit dem Fangen von Plankton könnten wohl viele Steinkorallenarten nicht überleben. Ebenso wichtig ist aber die "Entsorgung" von Kohlendioxid im Körper der Polypen durch die Zooxanthellen. Ohne die permanente Wegfuhr von Kohlendioxid würde sich dieses nämlich in den Polypen ansammeln und ihr Stoffwechsel würde stark eingeschränkt. Ohne Zooxanthellen könnten die Steinkorallen auch niemals die riesigen Mengen Kalk abscheiden, die zum Aufbau eines Riffs nötig sind, weil der Kalk durch die hohe Kohlensäurekonzentration sofort wieder aufgelöst würde. Die genauen Abläufe in dieser Symbiose sind noch nicht vollständig geklärt. Neuere Erkenntnisse zeigen, dass neben den Zooxanthellen auch Bakterien eine wichtige Rolle in dieser Lebensgemeinschaft spielen. Symbiontische Algen finden wir übrigens auch in Seeanemonen, in einigen Quallenarten und in den Riesenmuscheln (Tridacna), wo sie ähnliche Funktionen übernehmen wie in den Steinkorallen.
(Abbildung nach Schumacher, 1976)
Schematischer Schnitt durch eine Steinkoralle zur Veranschaulichung der Kalksynthese. Die Kohlensäure, die bei der Kalkfällung entsteht, würde den Kalk gleich wieder auflösen, wenn die Zooxanthellen das CO2 nicht in der Photosynthese "entsorgen" würden. Die Kalksyntheserate wäre um ein Vielfaches geringer und die Korallen könnten keine Riffe aufbauen. |
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