Patrick Steinmann

Gewässerbiologe, Stein am Rhein

Aquatische Neozoen

Höckerflohkrebs

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Neue Vorkommen?

Neue Vorkommen von
D. villosus entdeckt?
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Der Höckerflohkrebs wurde 1994 nach der Fertigstellung des Rhein-Main-Donau Kanals vermutlich mit Schiffen von der unteren Donauregion in den Rhein verschleppt. Es folgte eine erstaunlich rasche Ausbreitung in Mitteleuropa: 1999 tauchte er im Rhein unterhalb von Basel auf, zwei Jahre später kam er bereits massenhaft bei Rheinfelden vor. In den folgenden Jahren wurde der Höckerflohkrebs im Bodensee, Genfersee, Neuenburgersee, Bielersee, Zürichsee, in der Limmat und in der Aare gefunden. In Frankreich wurden die Saone, Rhone, Seine und Loire besiedelt, in Italien wurde er 2005 im Gardasee gefunden.

Es existieren heute in Europa viele nicht zusammenhängende Vorkommen von Höckerflohkrebsen. Dies deutet darauf hin, dass der Höckerflohkrebs auch durch weitere Verschleppung von einem Gewässer in andere gelangt, und nicht nur durch sukzessive Ausbreitung aus eigener Kraft. Der Höckerflohkrebs gilt mittlerweile als die Süsswasser-Neozoe mit dem grössten Ausbreitungspotenzial. Auch in Amerika befürchtet man seine baldige Einschleppung.

Verbreitug von Dikerogammarus villosus in der Schweiz
Stand: Juni 2010

Neuester Fund: Juni 2010, Zugersee

Merkmale: Braun-gelbe Querstreifen am Rücken, zwei spitze kleine Höcker am Hinterleib. Wird mit bis zu zweieinhalb Zentimeter deutlich grösser als die einheimischen Flohkrebse.

Herkunft: Schwarzmeerregion, Balkanhalbinsel

Lebensraum: Steinige Stellen im Uferbereich von Seen und Flüssen. Versteckt sich gern an der Unterseite von grossen Steinen und in Ritzen und Spalten. Oft auch in dichten Wandermuschelbeständen.

Lebensweise: Räuberisch, frisst andere Flohkrebse und Insektenlarven. Kann einheimische Flohkrebsbestände markant dezimieren oder gar vernichten. Steht im Verdacht auch Fischlaich zu fressen (siehe dazu hier). Bildet hohe Bestandesdichten (mehrere hundert bis tausend Tiere pro Quadratmeter). Rasches Wachstum, hohe Vermehrungsrate. Die Weibchen brüten ihre Eier in einer Bauchtasche aus und bringen lebende Junge zur Welt.

links: Höckerflohkrebse und Wandermuscheln an einem Stein. Diese beiden pontokaspischen Arten stellen mancherorts am Ufer bereits über 90% der Makrozoobenthos-Biomasse.
rechts: Die beiden "Höcker" am Abdomen. Am oberen Bildrand sind ausserdem zwei neugeborene Jungtiere zu sehen.

unten: Höckerflohkrebse findet man oft in Massen in Ritzen und Spalten auf der Unterseite von grossen Steinen im Flachwasser.

Dikerogammarus villosus hat eine hohe Fekundität: Im "Marsupium" eines Weibchens können bis zu 188 Eier erbrütet werden. Die Jungtiere schlüpfen in der Bauchfalte des Weibchens und verlassen das Muttertier als kleine Flohkrebse.
Höckerflohkrebs-Weibchen aus der Limmat
mit 174 Eiern.
Zum Vergleich: Einheimisches Bachflohkrebs- Weibchen (Gammarus fossarum), ebenfalls
aus der Limmat, mit "nur" 23 Eiern.