Patrick Steinmann

Gewässerbiologe, Stein am Rhein

Probenahme im Schwefelsee

In einen kleinen, abgelegenen Bergsee ergiesst sich aus mehreren Unterwasser- Quellaufstössen stark sulfidhaltiges Wasser in den See. Im Bereich dieser Quellen bilden sich farbenfrohe Lebensgemeinsaften: Matten aus Milliarden von Algen, Schwefel- und Cyanobakterien, die im fast sauerstoffreien Wasser massenhaft gedeihen.

Manche Stoffwechselvorgänge in diesen Mikroben sind noch nicht verstanden. Schwefelbakterien werden deshalb von Mikrobiologen intensiv erforscht, heute auch mit modernen genetischen Methoden.

Für manche Untersuchungen werden Proben von ganz bestimmten Bakteriengemeinschaften benötigt, die aus den Matten entnommen werden müssen ohne dabei die feine Schichtung zu zerstören. Eine solche Probe kann nur ein Taucher entnehmen, von der Oberfläche aus klappt das nicht.

Für diese heikle Arbeit eignen sich kleine verschliessbare Stanzröhrchen aus Plexiglas, die in einem passenden Probenhalter getragen werden. Im See müssen zunächst die Schwefelquellen gefunden und geeignete Bakterienkolonien ausgewählt werden.

Die genaue Beschreibung der von den Mirkobiologen gewünschten Kolonien ermöglicht eine gezielte Suche nach geeigneten Probestellen.

Auf der "Wunschliste" standen unter anderem möglichst intakte Proben der roten Purpurbakterien (Chromatium sp.). Reine Kolonien von Purpurbakterien sind meistens eng begrenzt, die Flecken sind selten grösser als 3-5 cm. Die Purpurbakterien sind ausserdem nicht wie andere Mikroben am Boden festgewachsen, sondern liegen als dünne Schicht frei auf dem Sediment. Die leiseste Wasserbewegung wirbelt die rote Bakterienschicht weg.
Der Boden ist ausserdem auch extrem weich. Die Algen und Bakterien bilden nur eine ganz dünne, filzige Matte, die auf dem wabbeligen Sediment aufliegt. Diese Matte reisst sehr leicht ein und das lockere Sediment darunter quillt hervor. Die Röhrchen müssen äusserst behutsam in den Boden gestochen werden, um eine intaktes Stück der Bakterienmatten zu bekommen und die Matten nicht grossflächig aufzureissen und zu zerstören Nach dem Ausstanzen der Probe wird das Röhrchen oben mit einem Stopfen verschlossen. Dabei darf wiederum nicht der kleinste Wasserwirbel entstehen.
Wenn der obere Stopfen sitzt, kann das Röhrchen vorsichtig herausgezogen werden. Die Probe wird durch das entstehende Vakuum im Röhrchen gehalten. Wenn das Röhrchen draussen ist, kann es unten mit einem zweiten Stopfen verschlossen werden.

Geschafft! Eine intakte Probe aus einer Purpurbakteriengesellschaft ist in der Röhre. Jetzt nur nicht schütteln, sondern schön ruhig ins Rack stellen und vorsichtig weiterschwimmen zur nächsten Probestelle, diesmal eine weisse Beggiatoa - Matte. Bis zur letzten Probe, ist höchste Konzentration, perfekte Tarierung und eine ruhige Hand erforderlich.

Hier gibts noch ein paar weitere Fotos aus dem Schwefelsee